Humanising Syrians

They are everywhere.

Ganz egal, wo man in dieser Stadt auch hinblickt, an jeder Straßenecke lauert etwas.
An jedem Ort versteckt sich eine Geschichte, die es verdient hat, erzählt zu werden.
Ich realisiere langsam, dass zehn Tage kaum ausreichen werden, um meinen selbstauferlegten Ansprüchen gerecht zu werden und gleichzeitig nicht über meine körperlichen Grenzen hinauszugehen.

Mit dem Wunsch, die Schicksale all jener zu erfassen, die ihre nicht erzählen können, kam ich hier her. Mit der Einsicht, dass es unmöglich ist, dies in zehn Tagen zu tun, werde ich diese Stadt wieder verlassen müssen.

Mal ist es der unscheinbare Shopverkäufer in der renovierungsbedürftigen Marktstraße der aus Angst vor den Massakern des Assad-Regimes eine nur schwer nachzuzeichnende Reise auf sich genommen hat. Mal ist es der extrovertierte Kellner im syrisch-kurdischen Restaurant, hinter dessen unbedingter Freundlichkeit gegenüber seinen Mitmenschen gnadenlose Selbstkritik an der arabischen Welt schlummert.

Ich verbringe meine Tage mittlerweile kaum noch abseits des Balkons, weil es mir ansonsten an Zeit zur Selbstreflexion und Atemluft fehlen würde. Die Nächte hingegen schlagen wir uns um die Ohren, um in Abwesenheit von Polizeistreifen, verdächtigenden Blicken überrumpelter Einheimischer und der überwältigenden, weil brütenden Hitze Schicksalsschläge nachzeichnen zu können.
Tagsüber sortieren wir, nachtsüber sammeln wir.

Wir treffen die Ausgeschlossenen einer angeblich existierenden, solidarischen Staatengemeinschaft, welche ihr wahres Antlitz offenbart hat.
Wir treffen die entmenschlichten Dissidenten, denen man mit Repression und Bombenhagel geantwortet hat, als sie sich aufbäumten, um von denen gehört zu werden, denen sie ein Dorn im Auge sind.
Es sind all jene, die nach mehr als sechs Jahren Hohn und Verderben innerlich zerrissen und voller Zynismus und Mitteilungsbedürfnis gleichermaßen vor einem stehen, weil sie nicht mehr glauben können, dass noch jemand an ihrer Geschichte interessiert ist.

Es geht hierbei nicht darum, die richtigen Fragen zu stellen oder die passenden Antworten zu finden. Vielmehr geht es darum, die Geschichten all jener zu erzählen, die den propagandistischen Narrativen all jener barbarischen Regime zuwiderlaufen, vor denen sie zu fliehen gezwungen waren.

It is about humanising Syrians.

 

 

 

 

 

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