„Gazi“ – Antep

Die im Südosten der Türkei gelegene Stadt Gaziantep geriet in den letzten Monaten vermehrt in den Mittelpunkt der weltweiten Medienberichterstattung.
Doch nicht erst seit den jüngsten terroristischen Aktivitäten des Islamischen Staates stellt „Antep“ einen bedeutenden Knotenpunkt weltpolitischen Geschehens dar.

Als das Osmanische Reich im Jahre 1918 zu Grunde ging und Mustafa Kemal Atatürk mit Hilfe einheimischer Aufständischer den türkischen Befreiungskrieg zu führen begann, wurde auf Beschluss der türkischen Nationalversammlung das Wort „Gazi“ – das übersetzt so viel wie „Kämpfer“ bedeutet – dem bisherigen Stadtnamen „Antep“ hinzugefügt. Während man in kurdischen Gebieten der Türkei öfters auch von „Entep“ oder „Dîlok“ hört, wird die Stadt von vielen Einwohnern auch heute noch kurz „Antep“ genannt.

Nicht alleine aufgrund der historischen Entwicklung der „Türkiye Cümhuriyet“ („Türkische Republik“) kommt der „Stadt der Kämpfer“ eine kaum zu überschätzende Bedeutung zu.
Mit dem heutigen Tage leben mehr als Zweieinhalb Millionen Flüchtlinge in der Türkei – davon alleine 350.000 in Gaziantep.
Die „Stadt der Kämpfer“ ist längst schon zur „Stadt der Schutzsuchenden“ geworden.

Dass Gaziantep sich außerdem zum Epizentrum des unvollendeten Geschäfts des syrischen Bürgerkrieges entwickeln konnte, hängt vor allem mit der türkischen Außenpolitik gegenüber dem alawitische Regime Bashar Al-Assads zusammen, die seit dem Ausbruch des Aufstands unmittelbare Implikationen für die Entwicklung der Grenzregion hatte.

Wie sich der syrische Bürgerkrieg entwickelte, welche Rolle türkische Grenzpolitiken spielen und welche Implikationen sich für Städte wie Gaziantep daraus ergeben, soll Thema der nächsten Beiträge sein.

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